Besuch bei MIURA Giken in Himeji

 

Völlig gleich, in welchem Bereich der Produktionsstätte, ob Empfang, Schmiede, Schleiferei, Prägung, Verchromung, Polieren etc. man sich gerade befindet, hier herrscht eine Atmosphäre kompromissloser Präzisionsbestrebung. Meister Katsuhiro Miura führt seinen Betrieb unmerklich mit eiserner Hand. Täglich selber für Stunden am Gerät, gelingt ihm dies allein durch seine handwerkliche Autorität und seine unantastbare Vorbildfunktion. Katsuhiro Miura's Charakter springt alle an. Aura umgibt den Mann. Seine Mitarbeiter meistern ihre Aufgaben ohne jede Anweisung und mit selbstverständlicher Perfektion. Wir haben nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass einem irgendwann eine Weisung erteilt wurde. Alles läuft rund. Ohne diese Kultur der Führung wäre es nicht denkbar, dass MIURA-Eisen die besten Eisen der Welt sind.

 

Diese Ur-Rohlinge aus  Mild-Steel Typ 1025 werden auf 1300° Celsius erhitzt und unter einem Hydraulik-Hammer mehrfach plattgemacht. Im Umkreis von 500 Metern sind die Erschütterungen spürbar. Der Boden der Schmiede ist aus gestampftem Basaltsand, weil kein anderer Bodenbelag den Belastungen statthalten würde. Geruch nach verbranntem Staub. So richtig was für Männer. Das glühende Werkstück wird dann auf einer Stanzform zum eigentlichen Rohling seines künftigen Schlägerkopf-Typs wiederholt verdonnert. Verdichtungsprozess Nummer II.  Preis einer Stanzform für einen einzelnen Schlägerkopf: rund 8.000 €. Dies ist besonders bitter für Linkshänder, weil die Einrüstkosten bei den wesentlich niedrigeren Stückzahlen einen deutlich höheren Preis bedeuten.
Meister Katsuhiro Miura ist allgegenwärtig und legt selber Hand mit an. Tag für Tag und an jeder Station des Produktionsprozesses.

Vorbild = Kontrolle

Die Stanzreste sehen aus wie  glühende Kränze und gehen ins Recycling.
Roh-Köpfe Die für den weiteren Produktionsprozess  in jeder Hinsicht kontrollierten Köpfe unterlaufen nun eine weitere beträchtliche Verdichtung bei rund 1200° Celsius, um eine höchstmögliche molekulare Metallstruktur zu erzielen.
Gleich gehts' unter die Hydraulik-Presse . . . . . . um ein Cavity Back-Modell zu werden.
Fertig. Anmerkung in eigener Sache: Fast unmöglich, nicht zu verwackeln. So immens sind die Druckvibrationen des Pressvorgangs. Der nächste Pressvorgang, der zur weiteren Materialverdichtung beiträgt: Prägung der Grooves. Der Schlägerkopf ist jetzt nur noch handwarm, und es bedarf eines kaum vorstellbaren Drucks, die Schlagflächenrillen zu prägen.
Wie bei jedem einzelnen Schmiedevorgang wird auch hier das Resultat mit Akribie in Augenschein genommen. Fortlaufende Qualitätskontrolle von einem  Produktionsschritt zum nächsten. Prägung der Cavity Back.
Prägung der Schlägernummer Rohlinge für Hosels.
Mit Unmengen von Bohrmilch erhalten hier die Hosels ihre Innenbohrung und werden so zur Hülse, in die später die Spitze des Schafts eingefügt wird. Wahre Bäche von Bohrflüssigkeit und Metallspänen.
Bei MIURA werden Hosel und Schlägerkopf im Spinwelding-Verfahren miteinander verschweisst. Dabei wird der rotierende glutheisse Hosel mit dem ebenfalls glutheissen Hoselansatz des Schlägerkopfes verschmolzen. Dies ist die denkbar innigste Verbindung der beiden Teile. Am Ende des Spinwelding-Prozesses bleibt ein doppelter Kragen stehen, der durch Wegschaben leicht entfernt wird.
Maschineller Rohschliff der Konturen. O Nun erfolgt das Schleifen des Kopfes. Das so genannte  Grinding ist Sache der höchstqualifizierten MIURA-Mitarbeiter. Es gilt, die Schlägerköpfe nach ihren von Modell zu Modell variierenden Spezifikationen (links oben das Blatt mit den Vorgaben) zurechtzuschleifen und gleichzeitig das individuelle Kopfgewicht herzustellen.
Konturen- und Gewichtskontrolle. Meister Katsuhiro selber am Gerät im MIURA-Tour-Van.  Legt gerade letzte Hand an ein kleines Kleinod an. Ein 57° Wedge Raw Steel zum 30. Geburtstag für Jan M. Pelz.
Vorletzte Station: Polieren nach der Verchromung. Letzte Station: Bemalung der Rückseite des Schlägerkopfes und der Nummer auf der Sohle.

Die Hintergrundbilder entstammen dem mitreissend  herbstlichen Garten des alten Kaiserpalastes in Kyoto.