MOI-Matching

 

"Moment of Inertia" oder "Trägheitsmoment"

 

"Moment of Inertia" oder "Trägheitsmoment" bezeichnet physikalisch den Widerstand eines in Ruhe befindlichen Körpers, sich in Bewegung versetzen zu lassen. Oder, wenn schon in Bewegung befindlich, Richtung oder Geschwindigkeit zu verändern. Oder, wenn noch in Ruhe bzw. schon in Bewegung befindlich, die Rotation um seinen Schwerpunkt beeinflussen zu lassen. Sir Isaac Newton (1643 – 1727).

 

Das merken Sie alles zum Beispiel beim Autofahren. Beim Gas geben, Bremsen, Lenken. Noch mehr bei Bremsen + Lenken sowie Gas geben + Lenken. Bergauf weniger, bergab mehr. Auto voll, Auto leer.

 

Den Schläger in Bewegung (Start des Rückschwungs + Rückschwung)  zu versetzen und nach Vollendung des Rückschwungs in Richtung Ball (Start des Durchschwungs + folgender Durchschwung ) zu bewegen erfordert Kraftaufwand, um die gesamte Masse des Schlägers zu beschleunigen.

 

Zugegeben: Eine schlimme Binsenweisheit. Aber es geht hier beim "MOI-Matching" um einen möglichst identischen Kraftaufwand des Spielers, mit dem jeder(!) Schläger im Set gleichermassen beschleunigt werden soll.

 

Da jeder Golfer seinen eigenen individuellen Kraftaufwand erzeugt, muss die Masse jedes Schlägers in seinem Set im Vergleich zu den anderen perfekt sein. Wie gut der Golfer gerade drauf ist (egal wie), spielt hierbei überhaupt keine Rolle, weil der Schläger selbst nun mal so bleibt, wie er ist.

 

Das ist aber noch nicht alles. Das Gewicht jedes Griffs (kaum Fertigungstoleranzen), jedes Schafts (schon eher) und jedes Schlägerkopfs (üble Gewichtsabweichungen selbst bei Top-Adressen) müssen perfekt sein. Dem Gewicht des Schlägerkopfs kommt hierbei die mit Abstand höchste Bedeutung zu.

 

 

 

Ernsthaftes MOI-Matching ohne perfekte Schlägerköpfe geht nicht

 

Die Schmiedetechnik muss gewährleisten, dass bei jedem einzelnen  Kopf eines Satzes Eisen #3 – PW der  Schwerpunkt exakt am gleichen Punkt ist. Das Intervall der Kopfgewichte muss exakt der 7 Gramm Standard-Vorgabe entsprechen. Dies kann nur über eine extreme Molekulardichte des verwendeten Karbonstahls dank mehrfach wiederholter Schmiede- + Härtevorgänge bewerkstelligt werden. So lange, bis eine perfekte Homogenität der Molekulardichte innerhalb des Satzes erzielt ist.

 

Jetzt wird es glatt unmöglich.

 

 

 

 

 

 

Physik-Professor Theodore P. Jorgensen kommt nach einem 3-seitigen Formelwerk à-la-Alfred-Einstein (*) zu dem Schluss, dass im Schaftinneren (!) jedes Schlägers 2 genau zu bestimmende Gewichte an exakter Stelle eingeklebt werden müssen, um ein optimales MOI-Matching zu erzeugen. Und zwar an der Stelle des Handgelenk-Knicks von linker und rechter Hand sowie in der Mitte zwischen der Stelle des Handgelenk-Knicks und des Schlägerkopf-Schwerpunkts.

 

Zitat: "... within the shafts at the midpoint between the wrist-cock axis and the center of mass of the clubhead. Slugs of the correct mass are also placed within the shaft of each club at the wrist-cock axis to bring the total mass of each club to the desired value. ..."

 

Dies ist in der Schlägerbau-Praxis exakt so gut wie nicht darzustellen. Was allein schon daran liegt, dass der Schaft einen konischen Verlauf hat und die 2 einzuklebenden Gewichte an ihrer exakten Stelle den mit dem Schaft-Inneren identischen Konus haben muessen. Sonst halten sie nicht. Auch nicht mit Epoxy. Der ideale MOI-matched Schläger ist ein Produkt der Theorie. Wer behauptet, ein perfektes MOI-Matching  zu machen, ist schlichtweg ein Gaukler.

 

=> Zum Formelwerk von Jorgensen

 

 

 

 

 

 

"Geht nicht" gibt's nicht.

 

Zum Glück haben wir noch einen zweiten Swingweight- und MOI-Guru namens Dave Tutelman, der im Gegensatz zu Prof. Theodore Jorgensen in erster Linie als Golfer spielerisch bewandert ist und zusätzlich die notwendigen physikalischen Kenntnisse mitbringt. Den dritten, Tom Wishon, lassen wir besser weg, weil er uns nur seine  Hard- und Software für teures Geld verkaufen will. Und diese brauchen wir nicht unbedingt.

 

Dave Tutelman hingegen besitzt die seltene Gabe des verständlichen Vortrags, auch wenn die Problematik nicht so ganz ohne ist.

 

Vor allem legt er Wert darauf, dass Schwunggewicht und MOI keine "Feinde" sind, sondern "Verwandte". Sie verhalten sich im physikalisch/mathematischen Sinn z.B. wie Geschwindigkeit und Beschleunigung.

 

Dave Tutelman's Studien haben eine Reihe von Ergebnissen gebracht, die aus laienhaft angenommener Kompliziertheit hinsichtlich Schwunggewicht und MOI vergleichsweise einfache und einleuchtende Sachverhalte herstellen.

 

Dazu gehört, dass ein sauber nach Swingweight-Matching angefertigter Eisensatz schon sehr nahe an einem Set ist, der nach MOI-Matching gebaut wurde.

 

Dave Tutelman unterscheidet sodann zwischen "Swingern" und "Hittern" und berichtet auf Grund seiner Untersuchungsresultate, dass der typische "Swinger" nicht feststellt, ob er nun ein Eisen mit Schwunggewicht D1 oder D3 bewegt. Für den "Swinger" ist somit das noch empfindlichere MOI-Matching überflüssig, weil er eh' keinen Unterschied merkt.

 

Anders beim "Hitter". Für ihn ist der Kraftaufwand entscheidend, mit dem er die Masse des Schlägers in Bewegung versetzt. Ihm ist ein "MOI-Matching" dienlich, um einen möglichst identischen Kraftaufwand zu erzeugen, mit dem jeder(!) Schläger im Set – wie schon erwähnt - gleichermassen beschleunigt wird.

 

Dave Tutelman haben wir es zu verdanken, dass seine MOI-Computer-Simulationen praxistaugliche Annäherungslösungen geliefert haben. So sind wir in der Lage, den "Hittern" unter uns ein adäquates MOI-Matching ohne grossen Formel-, Hardware- und Software-Firlefanz anbieten zu können.

 

http://www.clubmaker-online.com/dt.swingweight.html

 

Eine an das komplizierte Formelwerk nahezu heranreichende Annäherungslösung ist bereits möglich, wenn die Gewichtsunterschiede zwischen den einzelnen Schlägerköpfen statt 7 Gramm 8 Gramm betragen. Oder wenn der Standard- Längenunterschied zwischen den Schlägern statt 0,5" Zoll 0,375" Zoll ausmacht. Hierzu gleich mehr.

 

Nach soviel Theorie nun zur Praxis. Das MOI-Matching sieht vor, dass der Spieler seinem Clubmaker den so genannten "Master-Club" nennt. Dies ist des Spieler's  Leib- und Magen-Schläger, mit dem er fast alles kann oder "am besten klar kommt". Nach diesem "Master-Club" wird nun der gesamte Satz nach MOI-Methode konfiguriert.

 

Alles andere als seltsam: Der "Master-Club" ist fast immer das Eisen # 7 oder # 8. Das liegt an den Pro's, die den Anfängern oder auch korrekturbedürftigen Spielern mit mehr Erfahrung das Eisen # 7 oder # 8 in die Hand drücken. Das sind dann folglich auch die Schläger, mit denen man am meisten übt. Der "Master-Club" des Longhitters hingegen ist Eisen # 9 oder PW, weil er mit denen die durchschnittlichen Par-4's mühelos erreicht.

 

Nun gibt es aber Plätze, auf denen die kurzen Eisen einfach zu kurz sind, um das Grün eines Par-4's zu treffen. Dann braucht man die mittleren und die langen Eisen. Diese helfen aber auch nicht viel weiter. Dank/wegen MOI-Matching haben sie ein niedrigeres Schwunggewicht, weil sie entweder kürzer geworden sind oder vom Kopfgewicht her leichter. Folge: Toppen keine Seltenheit, weil die langen Eisen in der Regel näher zum linken Fuss gespielt werden als die mittleren und kurzen. Der Schlägerkopf trifft den Ball bereits im Anstieg, weil der Schaft entweder kürzer (weniger Radius) oder der Schläger insgesamt leichter (mehr Beschleunigung) ist (Eigenversuch Dave T.). Korrektes MOI-Matching ? Von wegen.

 

Dave Tutelman, unser praxisorientierter Golfer mit physikalischem Master-Background, schlägt daher vor, den "Master-Club" gerade bei den mittleren/längeren Eisen herauszufinden. Diese müssten dann unter sich nach MOI-Matching angepasst werden. Die kürzeren Eisen sollten sich eher am Schwunggewicht der längeren Eisen orientieren.

 

Hierfür spricht einiges. Die Beschleunigung der längeren Eisen wird erleichtert. Das Toppen bleibt aus. Auf langen Spielbahnen steht der Spieler nicht so auf dem Schlauch wie mit orthodox nach MOI-Matching angepassten längeren Eisen. Zudem: Er meistert die mittleren/kürzeren Eisen nach wie vor. Swingweight- oder MOI-Matching machen keinen spürbaren Unterschied.

 

Unterm Strich: Die von einigen Leuten nach Lage der Dinge ausschliesslich marketing-orientierte Polarisierung von "Schwunggewicht" und "MOI" scheitert an der angewandten Theorie, der Praxis auf Range und Platz und geht an den Interessen des ambitionierten Golfers vorbei. Wenn es nur der Ideenstreit wäre . . .